Aschermittwoch 2021
Asche auf den Kopf legen statt Aschenkreuz auf die Stirn

Normalerweise beginnen wir die Fastenzeit mit dem eindrücklichen Zeichen des Aschenkreuzes. Es wird auf unsere Stirn gezeichnet. Die Asche stammt aus den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres. Mit Weihwasser besprengt und gesegnet, erhält jeder und jede mit den Worten: „Mensch bedenke, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst!“ oder „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1, 15) dieses Zeichen der Umkehr und Buße.

Asche ist ein altes Symbol für die Vergänglichkeit. Hier nun auch für die Bereitschaft, Schuld und Versagen einzugestehen, nach neuen Wegen zu suchen und neu anzufangen. Das Kreuz wird für dieses Tun zum Zeichen der Hoffnung und des neuen Lebens.

In diesem Jahr aber wird uns die Asche coronabedingt nicht als Kreuz auf die Stirn gezeichnet, sondern sie wird in Kreuzform auf unseren Kopf gestreut nach dem Bildwort: „Asche auf mein Haupt!“, wie es schon immer durchaus in anderen Diözesen Brauch ist.

Auch dieses Tun ist biblisch und hat dort eine lange Tradition. So lesen wir etwa im 2. Buch Samuel, dass sich Tamar, als sie von ihrem Bruder vergewaltigt wurde, Asche auf das Haupt streut. Auch im Buch Judith lesen wir davon, dass sich die Menschen vor dem Tempel in Jerusalem Asche auf das Haupt streuen und Bußgewänder anziehen (Judith 4,11). Und im Buch Jona (3,6) heißt es, dass sich der König von Ninive nach der Ankündigung des Untergangs der Stadt durch Jona in die Asche setzt. Wer in „Sack(-leinen) und Asche geht“ zeigt öffentlich seine Trauer bzw. diejenigen, die Buße tun wollen, legen diese als äußeres Zeichen an.

Asche ist jedoch mehr als nur Schmutz und Abfall. Sie reinigt (wie Seife), sie düngt den Boden und nährt die Pflanzen, aber sie verweht auch im Wind. So vergeht auch alles Leben. Der Mensch ist ja vom Erdboden genommen und er kehrt dahin zurück, aber Gott haucht dem Menschen neuen Lebensatem ein und wird ihn auferwecken am Letzten Tag. Das ist unsere Hoffnung und lässt uns in den 40 Tagen der österlichen Bußzeit umkehren und neu anfangen.

Wenn uns in diesem Jahr das Aschenkreuz nicht auf die Stirn gezeichnet wird, sondern uns stattdessen die geweihte Asche auf den Kopf gestreut wird, kann uns neu die Bedeutung dieses Zeichens aufgehen. Ja, das Auflegen der Asche kann uns helfen, die 40 Tage der Fastenzeit nicht nur anders zu beginnen, sondern auch anders zu leben.

Das Auflegen der Asche kann uns helfen, die Bedeutung der Umkehr neu in den Blick zu nehmen, unser Leben ehrlich anzuschauen und zu ändern, was wir immer schon darin verändern wollten.

 

Nutzen wir diese Zeit! Lassen wir aus der „Asche auf unserem Haupt“ neues Leben erstehen!

 

Michael Dörr, Pfr.